DSDS: Schaulaufen in Delhi

2. Februar 2012 - Zum Auftakt des von der UNO ausgerufenen Internationalen Jahres der nachhaltigen Energie für alle (»Sustainable Energy for All«) startet heute der zwölfte »Delhi Sustainable Development Summit« (DSDS), eine High Level-Konferenz mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft (Word CEO Sustainability Summit) und internationaler Finanzwelt. Indien, dessen nachhaltige Entwicklung wesentlich vom Engagement ausländischer Investoren abhängt, kann in dieser Angelegenheit durchaus frischen Erfolg verbuchen. So haben sich die Investitionen in Solarprojekte seit 2010 versiebenfacht und in etwa mit den Investitionen in Windkraft gleichgezogen; messbare Folge der 2010 eingeführten National Solar Mission nach dem Vorbild des deutschen EEG. Der indische Energiemix wird die Abhängigkeit des Landes von fossilen Brennstoffen allerdings nur allmählich reduzieren können. Es passt daher auch zur aktuellen Lage, dass Finanzminister Pranab Mukherjee vor wenigen Tagen in Washington klar gestellt hat, dass sein Land - wie die VR China - an Ölimporten aus dem Iran festhalten wird. Denkt man über massentaugliche Einsparpotentiale nach, so wäre das energieeffiziente Bauen ein wichtiger Ansatz. Die staatlichen Bemühungen zielen zum einen auf testierbare Richtlinien für Neubauten. Die bereits 2007 publizierte Richtlinie "Energy Conservation Building Code" (ECBC) soll nun dieses Jahr in 6 Bundesstaaten verbindlich implementiert werden. Ein weiterer wichtiger Schritt in diese Richtung ist die 2009 eingeführte Zertifizierung von Dienstleistungen (»Energy Service Companies« , ESCO). Dieser Markt für nachhaltiges Bauen und Gebäudemanagement ist momentan marginal. Das signifikante Wachstum - zunächst - urbaner Mittelschichten im Zusammenspiel mit klimatischen Bedingungen macht aber eine dynamische Entwicklung dieses Sektors wahrscheinlich. Betrachtet man die Entry-Strategien großer internationaler Konzerne im Food- und Pharmasektor, so scheinen die »Bottom of the Pyramid«-Strategeme mittlerweile in die Mission Statements für Indien Eingang gefunden zu haben. Was der IT-Sektor mit mobiler Telefonie vorgemacht hat, setzt sich nun in der Bewerbung der indischen Kirana Stores einerseits, der Apotheken andererseits, fort. Dass man sich Ende 2011 in Parlament und Öffentlichkeit eine heiße Debatte um die Anhebung des FDI-Anteils im indischen Einzelhandel von 51 auf 100% geleistet hat, zeigt die Sorge vieler, dass ausländische Unternehmen hier kurzfristig in marktbeherrschende Stellungen kommen könnten. Zur Nachhaltigkeit einer Marktentwicklung gehört auch ein Umfeld, in dem mittelständische Serviceunternehmen und Produzenten für Flexibilität und Innovation sorgen. Gerade die Pharmaindustrie, die in Indien wohl noch etwas gut zu machen hat, darf hier gerne mit gutem Beispiel vorangehen.

Quellen: 12th Delhi Sustainable Development Summit (Conference Website) - Öffnung des indischen Einzelhandels für FDI vorerst gescheitert (gtai, 14.12.2011) - India Clean-Energy Investments Reach $10.3 Billion in 2011: BNEF (Bloomberg, 2.2.2012) - The New Rules of BoP Marketing (Forbes India, 18.1.2012) - Indiens Bauwirtschaft wird langsam "grüner" (gtai, 30.1.2012) - India to buy oil from Iran despite sanctions (Irish Times, 1.2.2012) - Novartis, GlaxoSmithKline, Pfizer & Ranbaxy focus on hinterland (The Economic Times, 21.12.2011) - Medikamententests in Indien (Der Tagesspiegel, 7.11.2011)


Exportnation Deutschland - wie lange wirkt der Zaubertrank?

10. November - Deutschland hat die Folgen der Finanzkrise scheinbar gut weggesteckt und zeigte sich auch durch die aktuelle Krise der Europäischen Union zunächst unbeeindruckt. Doch die Zeichen mehren sich, dass die aktuellen Entwicklungen dieses Land nicht außen vor lassen werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten auf Pump zu leben. Was Griechenland derzeit erlebt, ist die eine Variante, und sie ist bereits sprichwörtlich geworden. Auf eine andere hat nun kein geringerer als der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Professor Gert G. Wagner, aufmerksam gemacht. Der Kern des Problems seien nicht die Staatsschulden sondern die enormen Ungleichgewichte im internationalen Handel. Wenn aber, so Wagner, ein Land immer mehr Güter produziere, als es selbst verbraucht, müssten andere Staaten sich zwangsläufig verschulden. Wagners Statement reflektiert eine neue Untersuchung des DIW, die einen realen Kaufkraftverlust für 8 von 10 Einkommenszehnteln hierzulande in den vergangenen 10 Jahren ermittelt und den Grund dafür benennt: die Exporterfolge der deutschen Wirtschaft gehen zu Lasten der Binnennachfrage, weil Gewinne nicht weitergegeben werden. Bereits im April 2009 hatte Risaburo Nezu für Japan und Deutschland einen Abschied vom Erfolgsmodell der "Exportnation" gefordert und eine Stärkung der Binnennachfrage über den gezielten Ausbau des Dienstleistungssektors angemahnt. Nezu hatte für Japan auf die Kluft zwischen Produktivität und Löhnen hingewiesen. Das DIW macht aktuell auf ein entsprechendes Missverhältnis aufmerksam.
Eine Sonderstellung nimmt der Markt für Erneuerbare Energien hierzulande ein. Denn Deutschland ist einerseits einer der größten Exporteure von Anlagen und Dienstleistungen in Europa und zugleich der am weitesten entwickelte Binnenmarkt.. Doch der lockt zunehmend ausländische Anbieter, insbesondere aus Fernost und drückt die Preise auch für private Abnehmer (Anteil Chinas an deutschen Importen vor Photovoltaik-Komponenten 2010: 49%). Denn die Innovationen der Photovoltaik-Industrie haben einen Schlüsselmarkt entstehen lassen, an dessen internationalem Wachstum deutsche Hersteller einen sinkenden Anteil haben. Indien wirbt derzeit für Investitionen in diesen Bereich mit dem wohlplatzierten Hinweis darauf, dass europäische Banken Projekte in Europa derzeit nur zögerlich bescheiden. Aus Indien kommen Signale, den Umfang der Lizenzen für netzgekoppelte Solarkraftwerke bis 2017 auf 10.000 MW mehr als zu verdoppeln.

Quellen: DIW Wochenbericht 45-2011 (download) - Japan und Deutschland: Abschied vom Erfolgsmodell (DAPG Meldung 25.5.2009) - Natalie Obiko Pearson, "India Doubles Solar-Power Installation Target as Industry Booms" (Bloomberg 10.11.2011)


Für Malaysia steht viel auf dem Spiel

18. August - Wenn die Zeichen nicht trügen, dann steuert Malaysia auf wichtige Entscheidungsmarken seiner weiteren Entwicklung zu. Denn im möglichen Wahljahr 2011 startet auch der 10. Malaysia Plan der Regierung (2011 bis 2015), in dem notwendige Transformationsprozesse eingehend beschrieben und eingefordert werden. Denn der bemerkenswerte Aufstieg des südostasiatischen Tigers in den 70er und 80er Jahren hatte ein Ranking beschert, das zuletzt nicht gehalten werden konnte. So lag man damals noch vor Südkorea, dessen Prokopf-Einkommen heute dreimal so hoch ist. Die Entwicklung dort hat Vorbildfunktion: teilweise. Denn in Südkorea ging der Übergang in die "Knowledge Economy" mit tiefgreifenden gesellschaftspolitischen Wandlungsprozessen einher. Malaysia hat seine Defizite und Wachstumschancen nunmehr präzise identifiziert. Dem Bildungssektor kommt hierbei die entscheidende Rolle eines Katalysators zu: Malaysia ist es gelungen, international renommierte Universitäten für lokale Ausgründungen zu gewinnen. Denn mit der Bildungsschicht möchte man auch die Wertschöpfung im Land halten. Investitionen in wissensintensive Industrien wie Biotechnologie, Healthcare, Umwelttechnik und Automation haben hohe Priorität. Auf diesem Gebiet tätige mittelständische Unternehmen, sog. K-SME, werden aktiv umworben. Malaysia erwirtschaftet 57% seines GDP durch Dienstleistungen und ist Nettoexporteur von Direktinvestitionen. Traditionell starke aber überwiegend exportorientierte Industrien waren zuletzt unter Druck geraten. Es ist wahr, dass Malaysia vor Herausforderungen steht. Dazu zählen hohe Einkommensdisparitäten, ein erheblichen Entwicklungsgefälle innerhalb des Landes und die prekäre Frage der Energiesicherheit. Malaysia kann sich aber aufgrund seiner besonderen ethnisch-politischen Situation auch zu einem interessanten Interface zwischen arabischen und ostasiatischen Märkten weiterentwickeln. Das Land ist heute drittgrößter Hersteller von Solartechnik und wird im September eine feste Einspeisevergütung einführen. Deutsche K-SME sind in nennenswerter Zahl vor Ort. Bosch Solar startet noch im laufenden Jahr den Aufbau einer Produktionsanlage für Siliziumkristalle, Solarzellen und -module in Penang (Investitionsvolumen: 520 Mio. €).

Quellen: Education in Malaysia. A reverse brain drain (Economist 5.5.2011) - Asian Development Outlook, chap. Malaysia (ADB 2011) - Malaysia Economic Monitor: Brain Drain (World Bank 2011) - Knowledge Based Economy Master Plan (Gov. of Malaysia, 2002) - 10th Malaysia Plan (Economic Planing Unit, 2010) - Shahriman Johari, Critical shortage of gas supply (Business Times Malaysia, 18.8.2011) - Maschinenbau und Anlagenbau. Malaysia (gtai, Juli 2011) - Bosch Solar Energy AG, Pressemitteilung 22.6.2011


8 Prozent plus X ? Indien geht in die nächste Runde

16. Mai - Indien, das sich gerne als die stabile und weitgehend blasenfreie Alternative zu den schwer prognostizierbaren Entwicklungen Ostasiens präsentiert, steht im soeben gestarteten Finanzjahr 2011/12 vor eigenen Herausforderungen - und das bedeutet auch: konkrete Einstiegschancen für einheimische und ausländische Investoren. Denn das Wachstum der Bevölkerung und der hiermit einhergehenden Ansprüche an Infrastruktur und Lebensstandard ist in vollem Gange. Die Entwicklung des Energiebedarfs wird allgemein als die zeitkritische Größe in diesem Szenario angesehen. Wie sensibel die Entwicklung dieser Balance ist, zeigt sich derzeit an den Auswirkungen der Ölpreisentwicklung auf die Inflation und dem praktisch in Echtzeit rückläufigen Absatz der Automobilindustrie, die sich in den Ballungszentren bereits einen Vorgeschmack auf künftige Schlachten liefert. Ein nicht uninteressantes Symptom in diesen Tagen ist die Konzentration von Hyundai auf den Vertrieb des neuen Verna Sedan in ländlichen Gebieten. Man wird dort nicht allein bleiben. Etwas unangefochtener macht sich das mexikanische Familienunternehmen Cinépolis in den indischen Metropolen breit. Cinépolis baut Multiplex-Kinos in Shopping-Malls: das passt, und hebt die Wertigkeit des Kinobesuchs im Bollywood-Land auch umsatztechnisch, wenn das Konzept aufgeht. Damit in den Kinos das Licht nicht zur Unzeit ausgeht und - um wieviel wichtiger? - auch nicht in den Krankenhäusern des Subkontinents, wird der Ausbau erneuerbarer Energien immer wichtiger. Hier ist die Phase der generellen Propaganda für die gute Sache beendet und es geht um erfolgreiche Projekte als Referenz für die zahlreich anstehenden Ausschreibungen. So entwickelt Belectric India derzeit in Pune ein solches Referenzprojekt für einen indischen Investor, das auf dem DAPG Indienforum am 8. Juni vorgestellt wird. Nachdem Indien die "National Solar Mission" auf den Weg gebracht hat, sollte man aber auch nicht übersehen, dass das Land an einem Energiemix arbeitet, der nicht unumstritten ist. Insbesondere die Lage des mit sechs Kernreaktoren projektierten Atomkomplexes in Jaitapur im Bundesstaat Maharashtra dürfte Widerstand provozieren, denn er läge im einzigen Abschnitt der indischen Westküste, der offiziell als Hochrisikozone für Erdbeben eingestuft wird.

Quellen: India’s Biggest Increase in Gasoline Prices Since 2008 May Fuel InflationHyundai Planning ... Outlets in Rural IndiaIndia Plan Panel Head: May Cut Fiscal Year's Growth Forecast Mexican cinemas in India. Once upon a time in the east (Economist, 12.5.2011) – Belectric India Pvt. Ltd.Gefährliche Atominvestitionen in Indien (Greenpeace)


DAPG gründet Beraterkreis

14. April - Die Deutsche Asia Pacific Gesellschaft hat einen Beraterkreis gegründet, der Geschäftsprozesse mit Partnern in und aus Asien gezielter unterstützen und begleiten soll. Die DAPG Consultants ergänzen das Serviceportfolio der Gesellschaft durch spezialisierte Kompetenzen für bestimmte Märkte und Branchen des asiatisch-pazifischen Raumes. Die DAPG bündelt durch dieses Angebot die besonderen Kompetenzen ihrer Mitglieder und schafft ein professionelles Beratungsangebot, das den allgemeinen Grundsätzen der Gesellschaft verpflichtet ist und nachhaltige Lösungen im Sinne einer verbesserten Quality of Life realisieren helfen will. "An Beratern herrscht ja grundsätzlich kein Mangel im Asiengeschäft", so Initiator und DAPG Geschäftsführer Martin Wolf, "aber wir meinen, dass eine Mischung aus praktischer beruflicher Erfahrung und strategischer Urteilskraft notwendig ist, um in sich rasch wandelnden Märkten gerade die mittelständischen Unternehmen erfolgreich zu positionieren." Die DAPG Berater erfüllen diese Anforderungen. Sie haben sich durch ihren beruflichen Werdegang und erfolgreiches Projektgeschäft in besonderer Weise qualifiziert. Interessenten sind eingeladen, die DAPG-Berater direkt zu kontaktieren. Presseanfragen bitte an die Geschäftsstelle.

Presseerklärung: DAPG gründet Beraterkreis


Sozialpolitische Agenda für ein nachhaltiges Wachstum in Asien

27. Januar - Nach den Schockwellen der weltweiten Finanzkrise steht die Kamera allmählich wieder fest auf dem Stativ und das Bild hat an Kontrast und Schärfe hinzugewonnen. Hoffentlich. Denn die dem Ranking der allseitigen Wachstumsprognosen geschuldete große Geste auf dem internationalen Parkett könnte den Blick verstellen auf nunmehr notwendige strukturelle Reformen zuhause, die in vielen Ländern Asiens angesichts steigender Ansprüche einer rasch anwachsenden Mittelschicht und dem umwölkten Horizont demografisch erwartbarer Verschiebungen eine enorme Herausforderung darstellen. Und doch kann diese Arbeit an der sozialen Balance bei intelligentem Einsatz der vorhandenen und aus europäischer Sicht nachgerade beneidenswerten Reserven in naher Zukunft tatsächlich angegangen werden. Verschiedene Modelle des asiatischen Wohlfahrtsstaates werden diskutiert und im allgemeinen herrscht Übereinstimmung darüber, dass neben betrieblich privatwirtschaftlichen auch staatliche Versorgungsleistungen den in Asien (noch) traditionell hohen Anteil familiärer Unterstützung ergänzen müssen. Doch die Pensions- und Staatsfonds der asiatischen Wachstumsökonomien stehen vor enormen strategischen Herausforderungen. Sie werden künftig die rasch wachsende Klientel der Ruheständler versorgen, und dies bei sinkenden Einnahmen aus sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen aufgrund sinkender Geburtenraten. Das mag zu riskanteren Anlagenformen verleiten und hinzu kommt, dass die Investition der in US-Dollar gehaltenen Reserven in heimische Assets die Geldmenge aufbläht. Henry C K Liu hat darauf hingewiesen, dass der weitere Erwerb von US-Staatsanleihen für die Volksrepublik China keineswegs unproblematisch sei. Es geht also unter veränderten Vorzeichen um eine sozioökonomische Balance, für die wir noch keine Kennzahl haben. So kommt eine vergleichende Untersuchung der Altersversorgungen in Südkorea und Taiwan zu dem Ergebnis, dass die jeweiligen Rahmenbedingungen die Kaufkraft von Familien erheblich beeinflusst.. Die Weltbank überarbeitet derzeit im Rahmen eines Konsultationsverfahrens ihre 2001 erstmals aufgelegte Social Protection Strategy, die im Dezember 2011 für die nächste Dekade fortgeschrieben werden soll.

Quellen: The World Bank Group Begins Preparing New Social Protection & Labor Strategy, 18-01-2011 – South Korea's jumbo pension fund - Wrinkled, rich and roaming, in: The Economist , 13-01-2011 – Young-Jun Choi and Jin-Wook Kim: Contrasting approaches to old-age income protection in Korea and Taiwan, in: Ageing & Society 30, 2010, 1135–1152 – Henry C K Liu: Stagnant wages feeding overcapacity, Asia Times, 24-11-2010

Lektürehinweis: Ka Ho Mok & Yeun-Wen Ku (eds.): Social Cohesion in Greater China. Challenges for Social Policy and Governance (Series on Contemporary China - Vol. 23). Singapore (World Scientific Publishing) 2010


Ostasien sucht neuen Währungsschirm

10. Dezember - Die Asiatische Entwicklungsbank plädiert für neue Instrumente zur Flexibilisierung des innerasiatische Handels und möchte den derzeitigen Aufschwung insbesondere der  ostasiatischen Wachstumsökonomien nutzen, um Rahmenbedingungen für eine verbesserte Währungsstabilität zu implementieren. Die ADB empfiehlt hierfür die Einrichtung von informellen Beobachtungszonen für die innerasiatischen Währungsparitäten mit Bezug auf eine externe Währung oder einen Währungskorb. Der Report benennt die von den Industrieländern erhobene Forderung nach Aufwertung der erfolgreichen asiatischen Währungen und weist zugleich auf den durch die derzeitige Situation begünstigten erheblichen Kapitalzufluss hin, der die Geldmenge beeinflusst, damit die ohnehin drohende Blasenbildung (asset bubbles) verstärkt. und ausdrücklich als potentielles Risiko eingeschätzt wird. Der Report korrigiert die Wachstumserwartung für die VR China auf 10,1% und für "Emerging East Asia" (also ohne Japan) auf 8,8%. Für 2011 wird eine Konsolidierung auf 7,3% für die Region und auf 9,1 für die VR China erwartet. Der gesamte asiatisch-pazifische Raum wächst lt. ADB im laufenden Jahr um 8,6% mit einer deutlichen Abweichung in den Ländern des Pacific (4,3%, ohne Australien und Neuseeland).

Quellen: Emerging East Asia's Strong Recovery Suggests It Is Time to Look at Currency Cooperation - ADB Report

Veranstaltung: Second Business Opportunities Fair, 2–3 March 2011, Manila (ADB HQ)


Indonesien: sich öffnend das eigene Haus bestellen

3. November - Indonesien war - in dieser Hinsicht ähnlich wie Indien - in der Finanzkrise unter anderem deswegen mit einem blauen Auge davon gekommen, weil der Staat nur in geringem Umfang in problematische Anleihen (toxic assets) investiert war. Im Krisenjahr 2009 lag Indonesien mit einem Wirtschaftswachstum von 6% auf Platz 3 in Asien, getoppt lediglich von den Supermärkten China und Indien. Die Öffnung der Wirtschaft für ausländische Investoren hat begonnen und je mehr Kapital ins Land fließt, umso mehr steigt auch das Risiko im Falle, dass dieses Kapital einmal zurückgezogen wird. Prognosen sind nicht einfach.  So machen die sich regelmäßig ereignenden Naturkatastrophen viele Projekte des Anlagenbaus einerseits riskant, andererseits erst möglich. Eine wichtige Rolle spielt vor diesem Hintergrund eine verlässliche Strategie in der Gestaltung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen des indonesischen Wachstums und die gesellschaftspolitisch flankierende Absicherung der Handelssubjekte. Die OECD empfiehlt in einer aktuellen Analyse, dass Indonesien Subventionen für den Energieverbrauch konsequent herunterfährt. Für Öl ist dies bis 2014 beschlossene Sache. Für Strom rechnet die Studie vor, dass Subventionen überwiegend einkommensstarken Schichten zugute kommen, wohingegen die einkommensschwache Bevölkerung und ebenso die kleinen und mittleren Betriebe hiervon nicht profitieren. Der OECD-Vorschlag geht dahin, diese Gruppen, die für die Marktentwicklung der kommenden Jahre entscheidend sind - Stichwort Mittelstand, Stichworte Mittelschicht - gezielt zu fördern. Die Studie macht auch auf die demografische Entwicklung aufmerksam. Mit steigender Lebenserwartung beginnt ein Aging-Prozess, auf den die sozialen Sicherungssysteme nicht vorbereitet sind. Indonesien investiert derzeit weniger für sein Gesundheitswesen als vergleichbare ASEAN-Staaten. Auch hier sind es die KMU und Selbständige, die von den privaten Versicherungsanbietern nicht berücksichtigt werden. Für Arbeitgeber ist die Versicherung von Angestellten derzeit nicht zwingend (opt-out clause). Eine entscheidender Punkt für die weitere Entwicklung ist der Aufbau einer föderativen Struktur und die Ermächtigung der Provinzen zu eigenverantwortlichem wirtschaftlichem Handeln. Gerade vor dem Hintergrund volatiler Umweltfaktoren wird immer wichtiger, dass diese Provinzen eigene Fonds für die langfristige Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen aufbauen können, so im Bereich der Wasserversorgung. Hier kann einerseits Risiko diversifiziert werden. Andererseits entstehen regionale Synapsen für PPP und Entwicklungsfinanzierungen.

Quellen: OECD Economic Survey Indonesia, November 2010

Veranstaltungshinweis: Indonesian Business Day, 5. 11.2010, 9.00–15.00 Uhr, München



Asiens Rücklaufbecken - nicht nur für Wasser

20. Oktober - Nachdem die chinesische Notenbank den Leitzins gestern um einen Viertelprozentpunkt angehoben hat, erwarten Beobachter eine weitere Zunahme der Kapitalflüsse in die asiatischen Schwellenmärkte. Dies scheint im Hinblick auf eine drohende Überhitzung dieser Märkte insofern problematisch, als es sich hier oft überwiegend um Kapitalmarktgeschäfte handelt. Während sich etwa Investitionen in die Aktienmärkte Indiens mehr als verdoppelt haben, sanken die Direktinvestitionen in den ersten 7 Monaten des Jahres gegenüber dem Vorjahr um über 24% auf 12.5 Mrd. US-$. Indien bemüht sich daher, die Rahmenbedingungen für ausländische Investoren weiter zu verbessern. So sollen Firmen, die bereits vor 2005 als JV-Partner ins Land kamen, selbständig neue Gesellschaften gründen können. Auch Indiens Policy im Rahmen der aktuellen Doha-Runde ist ganz darauf ausgerichtet, Handelspartnern keinen Vorwand für die Errichtung neuer Handelshemmnisse zu liefern. Denn nichts wäre schlimmer, als dass der Kapitalfluss aufgrund neuer Rahmenbedingungen für die Finanzmärkte plötzlich wieder außer Landes schwappt. Die Möglichkeiten des schnellen Geldes angesichts aktueller Zinsniveau-Disparitäten lassen womöglich übersehen, dass der Zeitpunkt für konkrete Investitionen in Infrastrukturprojekte nun gekommen scheint. Über den Bedarf muss man nicht lange reden. Gerade haben ADB und Weltbank den finanziellen Schaden der Flutkatastrophe in Pakistan auf 9,7 Mrd. US-$ veranschlagt. In Indien besteht angesichts eines sinkenden Grundwasserspiegels und steigender Nahrungsmittelpreise - aktuell: 16,7% - akuter Handlungsbedarf. Die mangelnde Bankfähigkeit vieler Projekte hat Investoren und Technologielieferanten lange zögern lassen. Doch aktuell tut sich was. Balbir Khera, Managing Director der Surmount Energy wünscht sich Know-how aus Deutschland, insbesondere für Wasserspeicher- und Kreislauftechnologien. Leitungssysteme sind veraltet, außerhalb der Großstädte sinkt die Versorgungsrate auf 50%. Das Geschäftsvolumen für Abwasserbehandlung liegt laut gtai bei 4 Mrd. US-$ pro Jahr. Wasserknappheit ist auch für China ein akutes Problem und verschärft sich durch das Wachstum der sog. Second Tier Cities, der ca. 180 Millionenstädte auf dem chinesischen Festland. Durch Direktinvestitionen wie auch im Zusammenwirken mit Private Equity Fonds und ggf. institutionellen Investoren (Pension Funds, Versicherungsgesellschaften) ergeben sich hier Einstiegsmöglichkeiten, meint Christoph Graf Waldersee, Sprecher des Präsidiums der DAPG und Managing Director der Asia Water Development Corporation Ltd.. In China lohnend seien durchaus auch ausländische Direktinvestitionen in die Wasserwirtschaft. Die Verzinsung dort liege zwar in der Regel nicht so hoch wie in den Sektoren der Konsumgüterindustrie, sei aber langfristig stabil. Private Investitionen liegen bislang bei weniger als 17% der Gesamtinvestitionen für Wasserver- und -entsorgung. Lediglich die Hälfte hiervon stammt aus dem Ausland.

Quellen: India a Hit for Foreign Investors (NY Times) - India flexible for Doha trade deal (newKerala) - Govt wants to give FDI a push (TOIndia) - Bauwirtschaft Indien (gtai) - Mainland's water woes seen to get far worse (SCMP) - Surmount Energy Pvt. Ltd - Asia Water Development Ltd.



Balance-Akt: Südkoreas Mittelstand und die Chaebol-Society

30. September - Südkoreas Aufstieg in die Riege der ostasiatischen Tigerstaaten war über viele Jahre eine Erfolgsgeschichte der großen Mischkonzerne (kor. Chaebol, 재벌). Es war einer der Lernprozesse aus der Asienkrise 1997, dass diese Großunternehmen damit begannen, Risikosparten auszulagern. Dadurch entstand Raum für mittelständisch geprägte Innovation und zugleich Risikokapital. Zulieferer begannen, eigenes Wissenskapital aufzubauen, um jenseits überkommener Patronage-Beziehungen am Markt zu akquirieren. Der Anteil koreanischer Mittelständler an den Ausgaben für R&D verdoppelte sich nach der Asienkrise von 12 auf 24% (1997/2006). Den Löwenanteil der Forschung tragen allerdings weiterhin die Chaebol-Konglomerate, mit denen die innovativen Mittelständler (venture capital firms) bei Investitionen und Gehältern in der Regel nicht mithalten können. Die strategische Bedeutung einer gelungenen Balance zwischen diesen Großunternehmen und den innovativen "nachwachsenden" Unternehmen wurde von der OECD bereits im vergangenen Jahr angemahnt. Nun hat die Regierung in Seoul am Mittwoch ein "Mutual Growth"-Panel für Dezember angekündigt, auf dem Vertreter von Wirtschaftsverbänden und Experten Branchenfelder identifizieren sollen, in denen sich die Chaebols zurückhalten mögen. Die Förderung gegenseitigen Wachstums sei im Interesse von Mittelständlern und Konzernen gleichermaßen, weil große Unternehmen für ihr weiteres Wachstum auf wettbewerbsfähige Partner-Unternehmen und High-Tech-Zulieferer angewiesen seien, so Choi Kyung-Hwan, Minister für Knowledge Economy in Seoul. Ein Hintergrund dieser Initiative ist der koreanische Arbeitsmarkt. Mittelständische Unternehmen haben von 1998 bis 2008 insgesamt 3,8 Mio. Stellen geschaffen. Demgegenüber sanken die Beschäftigtenzahlen der Chaebol im selben Zeitraum um 600.000.

Quellen: S. Korean conglomerates to stay clear of SME biz areas (Yonhap) - OECD Review of Innovation Policy: Korea (2009)

Veranstaltungshinweis: 36th International Small Business Congress (ISBC) 4.10.–7.10 2010, Taipeh. Pre-conference 2–4.10.2010 Kaohsiung >> Webseite der Veranstaltung


Sourcing vs. Outsourcing: Indonesien ist angesagt

31. August - Nicht nur Investoren haben die politische Entwicklung der größten islamisch geprägten Demokratie lange Zeit kritisch und abwartend beobachtet. Vielversprechende Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung, zur Marktgröße und zu den Rohstoffpotentialen des Landes gegenüber stehen die problematische Infrastruktur und ein in der Regel zeitaufwendiges Verwaltungshandeln. Dass Indonesien die effektive Balance der zentripedalen und zentrifugalen Kräfte zwischen zentralen Ministerien und den Provinzen erst finden muss und dies allein schon wegen der geografischen Bedingungen des Landes eine echte Herausforderung darstellt, wird im Ausland vielleicht nicht ausreichend verstanden. Klar ist aber auch, dass das Land Entwicklungspotentiale verschenkt, wenn es nicht rasch Rahmenbedingungen für einen Energiemix beschließt, der im Interesse Indonesiens kurzfristige Profitinteressen mit einer nachhaltigen Sicherung der eigenen Ressourcen vermittelt. Der Bau geothermischer Anlagen beispielsweise ist auf den Philippinen derzeit attraktiver, weil die Einspeisevergütung dort geregelt wurde. Andererseits hat Indonesien allen Grund, auf seine Bodenschätze zu achten. Kohleexporte nach China sollen daher gedeckelt werden. Das Land hat aber aufgrund seiner vielfältigen Ressourcenlandschaft die Chance, eine Recycling-Wirtschaft auf ganz neuem Niveau zu etablieren. Das wird nicht ohne Konflikte abgehen, wenn man nur an die Papierindustrie denkt, ist aber im Hinblick auf die Erhaltung der Waldbestände gewiss angesagt. Und wer sammelt eigentlich den indonesischen Elektroschrott? Die GTZ führt seit Januar ein Programm zu einer Dezentralisierung der Verwaltungsabläufe in Indonesien durch. Die Provinzen Indonesiens präsentieren sich derzeit offensiv vor Ort und im Ausland. Was spricht dagegen, dass deutsche Projektentwickler, Technologielieferanten und Betreiber einen Beitrag dazu leisten, dass diese Land seine biotopisch beispiellose Diversity in adäquate Marktstrukturen übersetzt?

Anfang Mai wurde der überraschende Wechsel von Indonesiens Finanzministerin Sri Mulyani Indrawati zur Weltbank bekanntgegeben. Die Börse in Jakarta fiel um 4 Prozent. Die Investoren waren geschockt. Das Outsourcing von Humankapital ist eine Sache. Doch für viele in Indonesien war es ein Symbol, das sie als Warnung aufgefasst haben.

Quellen: gtai (Papierindustrie) - NYT (Geothermie Indonesien vs. Philippinen) - GTZ (Beratung Dezentralisierung)

Veranstaltungshinweis: Business Forum (Erneuerbare Energien, Infrastruktur, Natürliche Ressourcen) in Makassar (Sulawesi) vom 7.10. – 10.10 2010 >> Info des Veranstalters


Volksrepublik China führt Strafschadensersatz bei Produktfehlern ein

4. Juni - Regelungen zur deliktischen Haftung nach chinesischem Recht waren in der Vergangenheit in verschiedenen Gesetze enthalten, v.a. in den Allgemeinen Prinzipien des Zivilrechts von 1986 und im Produktqualitätsgesetz von 2000. Am 26. Dezember 2009 hat der Ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses das Deliktsgesetz der VR China erlassen. Es tritt zum 1. Juli 2010 in Kraft. Im Prinzip haftet nach dem Deliktsgesetz nur derjenige, dem vorwerfbares Fehlverhalten (chin: guo cuo) zur Last gelegt werden kann. Darunter zu verstehen ist vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln oder Unterlassen. Gesetzliche Bestimmungen können jedoch eine Haftung auch ohne vorwerfbares Fehlverhalten anordnen. Ein Beispiel dafür ist die gesetzliche Produkthaftung. Diese war bisher im Produktqualitätsgesetz von 2000 geregelt. Nunmehr enthält auch das Deliktsgesetz Bestimmungen über die Produkthaftung. Wichtig für Hersteller ist, dass das Opfer eines Produktfehlers nach wie vor sowohl vom Hersteller als auch vom Verkaeufer Schadensersatz verlangen kann. Das Deliktsgesetz führt bei Produktfehlern, über den Ersatz des tatsächlich entstandenen Schadens hinaus, erstmals einen Strafschadensersatz (punitive damages) ein. Möglicherweise unter dem Eindruck der jüngeren Skandalfälle, z.B. mit verseuchtem Milchpulver, hat sich der chinesische Gesetzgeber für diese aus dem US-amerikanischen Recht bekannte Lösung - in Deutschland gibt es den Strafschadensersatz nicht - entschieden. Die recht hohen Voraussetzungen - Vorsatz sowie schwerwiegende Folgen - schränken den Strafschadensersatz allerdings auf gravierende Fälle ein. Zur Höhe des Strafschadensersatzes enthält das Gesetz keine Angaben. Allgemein fallen Geldstrafen wie auch Schadensersatzurteile chinesischer Gerichte, z.B. bei Verletzungen gewerblicher Schutzrechte, im internationalen Vergleich noch immer recht gering aus. Allerdings war ein Anstieg der Beträge in neuerer Zeit zu beobachten.

Quelle: Dr. Falk Lichtenstein, CMS Hasche Sigle, »Deliktsgesetz der VR China – Haftung für fehlerhafte Produkte und anderes Fehlverhalten«


Ex oriente DAX?

11. Mai - In Gesprächen mit Geschäftsleuten und Diplomaten aus Asien-Pazifik wird ein altes Thema neu formuliert. Denn die Stabilität der asiatischen Märkte wurde immer gern hinterfragt im Business-Talk hierzulande. Nun aber fragen die Partner aus Asien-Pazifik zurück: nach der Stabilität des Euro und ebenso nach der Liquidität der Geschäftspartner. Besonders in den ASEAN-Staaten Südostasiens beobachtet man mit Interesse das Krisenmanagement der oftmals als Vorbild für die eigene Marktkonvergenz apostrophierten Europäischen Union. Nun hat das Handelsblatt im aktuellen Firmencheck ermittelt, dass vom Asiengeschäft überwiegend die DAX-Konzerne wie BASF, Linde oder SAP profitieren. Diese Unternehmen konnten Verluste in Europa und Nordamerika durch satte Gewinne in Asien ausgleichen. Auch der Vossloh AG (XETRA) gelang ein derartiger kompensatorischer Gewinn in 2008 und 2009 aufgrund chinesischer Staatsaufträge für Schienenbefestigungssysteme. Bei den MDAX-Unternehmen, so das Ergebnis der Handelsblatt-Umfrage, kommt diese Aufschwung aber nicht an. Im Gegenteil: Viele deutsche Unternehmen holen ihre Produktion aus Fernost zurück. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage nach geeigneten Geschäftspartnern in Asien neu an Bedeutung. Und die Frage nach geeigneten Finanzdienstleistern: in Asien. Doch das ist ein eigenes Thema mit interessanten Nebeneffekten. Ein Bankenrating in Vietnam hatte kürzlich zur Folge, dass der Rating-Agentur kurzerhand die Lizenz entzogen wurde. Unstrittig dagegen ist das Rating der Asiatischen Entwicklungsbank ADB: AAA. Vertreter der ADB kommen am 9.Juni auf Einladung der DAPG nach Köln (siehe Veranstaltungen).

Quellen: "Der Asien-Faktor", in: Handelsblatt v. 7.5.2010 - "Zu weit gegangen", in: DIE ZEIT v. 15.4.2010 - Vossloh AG - "Who will watch the watchmen? The central bank shuts down a rating agency", in: Economist online (2.5.2010) - ADB


Die Peripherie - das Experimentierfeld der Globalisierung

21. April - Die ländliche Bevölkerung Indiens wird zur begehrten Zielgruppe für den Test von low-cost-Produkten. Zahlreiche Konzerne haben dort bereits umfangreiche Tests durchgeführt, die keineswegs nur auf den indischen Markt zielen. Doch die indischen Verhältnisse bieten sich aufgrund ihrer beispiellosen ethnischen und kulturräumlichen Vielfalt als ideales Experimentierfeld an. Was sich hier durchsetzt, so die strategische Vermutung, verspricht Erfolg auch in anderen Schwellenmärkten und nicht nur dort. Samsungs "Solar Guru", ein Einsteiger-Handy mit Solarzellen als stromnetzunabhängige Anwendung für Gebiete mit defizitärer Infrastruktur, ist bereits für den europäischen Markt im Gespräch. Neben ausländischen Multis wie Unilever, Nokia und Samsung sind aber auch indische Unternehmen in Projekte involviert. So testet Tata Chemicals seinen Wasserreiniger "Tata Swach", der praktisch ohne externe Energiezufuhr arbeitet und plant bereits den Vertrieb in Afrika und Lateinamerika. Auch der Mischkonzern Godrej ist mit Seifen und batteriebertriebenen Kühlschränken auf Exportkurs. Dass solchen Märkten die Zukunft gehört, hat der indische Management-Guru C.K. Prahalad vorausgesehen. Prahalad prägte für diese Märkte den Begriff der "Bottom of the Pyramid" und empfahl der Wirtschaft, diese Konsumenten ernst zu nehmen und Produkte zu entwickeln für das sehr wenige, das diese sehr vielen Menschen für ihr täglichen Leben haben möchten. Dass sich aus diesen Entwicklungen Verschiebungen auch in den Industrieländern ergeben, zeigt neben dem Beispiel des "Solar Guru" die Tatsache, dass die indischen Regierung Anfang der Woche den Gang vors Schiedsgericht der Welthandelsorganisation angekündigt hat. Es geht um in Indien produzierte Generika und auf der Anklagebank sitzt die Europäischen Union. C.F. Prahalad verstarb am vergangenen Freitag im Alter von 68 Jahren.

Quellen: WSJ (Marketeers flock to rural India) - C.K. Prahalad - The Times of India (EU-WTO)


Alles wird gut - falls es gut geht: Momentaufnahme Greater China in Düsseldorf

19. März - Deutsche Unternehmen in Greater China blicken optimistisch in die Zukunft und ihre Erwartungen für 2009 wurden sogar positiv übertroffen. Dies ist das Ergebnis des aktuellen Business Confidence Survey, einer Umfrage unter den Mitgliedsfirmen der AHKs in China, die auf dem Greater China Day 2010 der deutschen Außenhandelskammern in Düsseldorf vorgestellt wurde. Dort waren Erfolgsgeschichten gefragt und diese Erfolgsgeschichten können sogar "echt mittelständisch" dimensioniert sein, wie etwa bei Weiss-Voetsch in Taicang bei Shanghai, einem Unternehmen für Umweltsimulation, das die Kritiker des Chinaengagements der Firma kurzerhand selbst nach China geschickt hat, Familienmitglieder chinesischer Mitarbeiter in die Firma einlädt und sich für Regierungskontakte eigens eine qualifizierte Mitarbeiterin leistet. Steuerungstechnik komme aber weiterhin aus Deutschland, so Thilo Köppe, Vorstandsmitglied des Unternehmens. Immerhin finden 90% der IP-bezogenen Streitschlichtungsverfahren mittlerweile zwischen Chinesen statt. Der deutsche Botschafter in Peking, Dr. Michael Schaefer, sprach von einer Entwicklung hin zu partieller Rechtsstaatlichkeit in wichtigen Einzelbereichen und forderte die deutschen Unternehmen dazu auf, ihre Position im Wettbewerb mit zunehmend selbstbewussten chinesischen Marktteilnehmern deutlich zu machen. Schaefer sieht die nächste automobile Revolution aus China kommen. Das Land plane bis 2015 die Umstellung des gesamten öffentlichen Nahverkehrs auf elektrische Antriebe. Hier sei die deutsche Automobilindustrie heraus-gefordert, aber über Kooperationen auch bereits positioniert. Schaefer erwartet in den nächsten Jahren eine Bildungsoffensive, die zur Gründung von Elite-Universitäten führen werde und eine Innovationswelle erwarten lässt, die China bis 2020 zum Hochtechnologieland machen soll. Schaefer sprach aber auch die Herausforderungen an, vor denen China steht: die Umweltproblematik und die Einführung sozialer Sicherungssysteme. Bei Weiss-Voetsch in China sind alle Mitarbeiter einschließlich ihrer Familienangehörigen (ab 3 Jahren) über die Firma krankenversichert. Köppe berichtete eine Mitarbeiterfluktuation von 1,4%.

Hinweise: Weiss-Voetsch (China) - AHK China - Deutsche Botschaft Peking


KMU: Wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern

10. März - Das BMBF hat im Rahmen der Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung die Richtlinien zur Förderung der Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit (WTZ) mit China veröffentlicht. Ziel ist die Anbahnung intensiver und langfristiger Kooperationen zwischen deutschen und chinesischen Partnern. Die geförderten Aktivitäten sollen der Vorbereitung größerer Vorhaben und insbesondere der Vorbereitung von umfangreicheren Antragstellungen bei Förder-organisationen wie z. B. BMBF, DFG oder EU dienen. Bei den Kooperationsprojekten wird besonderer Wert auf die wissenschaftliche Exzellenz der chinesischen und der deutschen Partner gelegt. Begrüßt wird die Beteiligung von Unternehmen, insbesondere von innovativen kleinen und mittleren Unternehmen. Gefördert werden wissenschaftliche Kooperationen in allen Themenfeldern der grundlagen- und anwendungsorientierten Natur-, Ingenieur-, Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften. Die Regellaufzeit der Anbahnungsprojekte beträgt 2 Jahre. Antragsberechtigt sind deutsche Forschungseinrichtungen, Hochschulen und kleine sowie mittelständische Unternehmen (KMU). Anträge sollen bis spätestens 31. Mai 2010 eingegangen sein.

Antragsberatung und Durchführung: Internationales Büro des BMBF


Indien am Ende des Finanzjahrs 2009/2010 vor neuen Herausforderungen

5. März - Nachdem sich die indische Wirtschaft gegenüber dem globalen Krisenszenario als erstaulich resistent behaupten und im zuende gehenden Finanzjahr eine Wachstum von real um 7% realisieren konnte, werden aktuelle Herausforderungen erkennbar, die durch das erwartbare Wachstum von Bevölkerung und Verbrauchervolumina zeitkritisch werden düften. Umso mehr wird sich Indien als ein Markt für intelligente Lösungen profilieren können. Symptomatisch für die sich abzeichnenden Prioritäten ist ein Brief des indischen Kohleministers Sriprakash Jaiswal an seinen Kollegen, Ölminister Murli Deora. Jaiswal fordert darin die vorzeitige Rückgabe von 26 Kohlenminen, die mit dem Ziel der Gewinnung von Grubengas (CBM=Coal Bed Methane) in die Zuständigkeit des Ölministeriums überstellt worden waren. Jaiswals Brief ist wohlbegründet. Denn seinerzeit war der indischen Kohlebedarf pro Jahr auf 1000 bis 1200 Mio.Tonnen geschätzt worden. Aktuell erwartet die Regierung für die nächsten 20 Jahre einen Bedarf von bis zu 2700 Mio. Tonnen und der Investitionsbedarf ist erheblich. Kohle steht für 55-60% des indischen Energiemix. In dieser Situation erreichen die Preissteigerungen ein beachtenswertes Niveau. Dies betrifft neben den Energiekosten auch den für die breite Bevölkerung wesentlichen Sektor der Nahrungsmittel-produktion. Hier liegen die Preissteigerungen seit Monaten bei knapp 20%, so dass Finanzminister Pranab Mukherjee nun die Ineffizienz der Zulieferketten öffentlich zu Diskussion stellt; ein gutes Thema gewiss für Gespräche mit indischen Partnern. Auf Wachstum setzen die Lösungsanbieter aus dem Ausland. So neuerdings die Lanxess AG, die den neuen Produktionsstandort Jhagadia im westindischen Bundesstaat Gujarat zügig ausbaut,. Dort entsteht auch eine neue Anlage für Ionenaustauscherharze, die u.a. in der industirellen Wasseraufbereitung Verwendung finden. Der vor diesem Hintergrund steigende Bedarf an Finanzdienstleistungen ist bekannt.. Die vorsichtige Politik der indischen Finanzverwaltung ebenfalls. Nun hat die australisch-neuseeländische ANZ Bank eine Lizenz für den indischen Markt erhalten, und auch das ist ein - moderates - Signal. Denn nach wie vor stehen staatliche Banken für 70% des indischen Bankenwesens.

Quellen:
Anita Bhoir, ANZ to re-enter India after a decade, livemint / Wall Street Journal
Sanjay Dutta, Coal ministry wants CBM mines back, The Times of India
TNN, Food inflation rises to 17.87% , The Times of India


DAPG zu den Aussichten fürs China-Geschäft

13.Januar - Zum Jahreswechsel äußert sich der DAPG-Vorsitzende Wolfgang Haehn im Business Guide Deutschland China zu den Perspektiven des China-Geschäfts und warnt vor falschen Hoffnungen. Haehn vergleicht die augenblickliche Situation des Landes mit einem Heißluftballon, in den immer mehr heiße Luft gepumpt wird. "Und ich sehe die Gefahr, dass dieser Ballon platzt. Wir können für China erst ökonomische Stabilität erwarten, wenn eine substantielle und stabile Binnennachfrage realisiert sein wird", so Haehn. Das Interview mit dem DAPG-Vorsitzenden, übrigens der erste Beitrag im Business Guide, wird ergänzt durch "Menschen und Märkte", eine aktuelle Darstellung der Tätigkeiten der Deutschen Asia Pacific Gesellschaft. Mitglieder können den Business Guide, der durchgängig zweisprachig gestaltet ist (deutsch-chinesisch) und zahlreiche lesenswerte Beiträge aus Politik und Wirtschaft enthält, bei der Geschäftsstelle anfordern. In der Fachpublikation ChinaContact äußert sich DAPG Geschäftsführer Martin Wolf in einem Statement und weist auf strukturelle Probleme der chinesischen Entwicklungsökonomie hin. An gelingenden Tranformationsprozessen in China, so Wolf, müsse allen gelegen sein. Das chinesische Investitionsvolumen in Europa hält Wolf für ausbaufähig. Die Bewertungen der DAPG werden durch Rajat Nag, den Managing Director der Asia Development Bank bestätigt, der die Förderung der Binnennachfrage in Asien sowie die soziale Flankierung des Wachstumsprozesses als zentrale Aufgaben für 2010 benannt hat.

"Damit uns die Kiste nicht irgendwann um die Ohren fliegt" Interview mit Wolfgang Haehn, in: Business Guide Deutschland China. Berlin 2010 (pdf des Interviews mit Wolfgang Haehn)

"Lessons for Asia from Global Economic Crisis", Interview mit Rajat Nag, Managing Director ADB. www.adb.org, Interview auf YouTube



Transformationsprozesse in Indonesien

17.Dezember - Indonesien sieht sich bei fallenden Weltmarktpreisen einer boomenden Nachfrage nach heimischer Kohle gegenüber. Das Land, in dem ein Ausbau erneuerbarer Energien Erfolg versprechend ist, steht derzeit im Fokus von Investoren. Dabei geht es auch um die Sicherung von Energiekapazitäten für die großen Nachbarmärkte, namentlich Indien und China. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wächst die Nachfrage nach Kohle als einzigem fossilem Rohstoff neben Naturgas weltweit bis 2015 um 1,9%. Indonesien fördert im laufenden Jahr 230 Mio. Tonnen bei einer Exportquote von über 80 Prozent. Die Regierung erwägt daher auch, den Export künftig auf 150 Mio Tonnen jährlich zu deckeln. Indonesische Kohle ist besser und billiger als chinesische, weswegen die Küstenstädte Chinas den Import bevorzugen. Eine Verdoppelung des chinesischen Importvolumens bis 2012 wird prognostiziert. Aber auch Indien, Japan und Südkorea stehen auf der Käuferliste. Einem Upgrade der indonesischen Energie- und Fördertechnik würde es fraglos zugute kommen, wenn die Käufer in ein verbindliches CO2-Regime eingebunden werden.

Eine ganz andere Transformation hat sich bei den Cia-Cia auf Buton Island (Sulawesi) zugetragen. Der bislang schriftlose Stamm hat sich zur Einführung des koreanischen Alphabets (한글) entschlossen. Die im seit Menschengedenken nicht expansiven Korea verständlicherweise viel beachtete Entscheidung verdankt sich dem Engagement der Hunminjeongeum Society, die überwiegend in den Herkunftsländern der in Südkorea arbeitetenden Migranten aktiv ist.