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Blickpunkt Asia Pacific 12/2011

Fokus Malaysia
Investieren trotz Krise. Ein Überblick über aktuelle Maßnahmen der malaysischen Regierung zur wirtschaftlichen Weiterentwicklung des Landes

Rund 28 Millionen Menschen wohnen derzeit zwischen Thailand im Norden und Singapur im Süden, sowie dem Nordteil der Insel Borneo. Der Bevölkerungs- und auch Wirtschaftsschwerpunkt ist jedoch auf die Westküste der malaischen Halbinsel beschränkt und zieht sich von Penang im Norden über das Klangtal mit Kuala Lumpur als Hauptstadt weiter über die historische Stadt Melaka nach Johor Bahru im Süden, welches nur durch ein paar Meter Wasser von Singapur getrennt auf dem Festland liegt. Die Ostküste und die beiden Bundesstaaten Sabah und Sarawak auf Borneo sind durchaus als industriell unterentwickelt zu bezeichnen. Diese Gebiete tragen jedoch aufgrund ihrer natürlichen Ressourcen zu einem erheblichen Teil des Staatshaushalts und Exportvolumens bei.

Populationsmäßig tritt Malaysia gegenüber seinen unmittelbaren und regionalen Nachbarn im Fliegengewicht an. Auch wenn die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 rund 50 Millionen erreichen wird, werden die anderen ASEAN-Staaten bei ähnlichem prozentualem Bevölkerungszuwachs Malaysia noch kleiner erscheinen lassen.

Derzeit steht das Land jedoch praktisch als Synonym für den neuen südostasiatischen Mittelstand, dessen historisch bedingt diversifizierte Bevölkerung einige Eigenschaften besitzt, die es als Einstiegsland und „Übungsplatz“ in Asien für europäische und nordamerikanische Unternehmen äußerst attraktiv macht. Die Bevölkerung ist jung, technikaffin, gut ausgebildet und dementsprechend im regionalen Vergleich als wohlhabend anzusehen. Große chinesisch- und indischstämmige Bevölkerungsgruppen sind in Ihrer Mentalität noch häufig mit ihren Ursprungsländern verbunden und bieten daher in diesen Marktsegmenten eine gute Ausgangsbasis für marketingstrategische Untersuchungen. Durch Englisch als de facto-Geschäftssprache sind die Sprachhürden entsprechend niedrig und ermöglichen direkte Geschäfts- und Verhandlungsmöglichkeiten. Gerade für Expats ist dieser Umstand auch für das private Umfeld eine Bereicherung, da Sie nicht nur auf die Expatkreise beschränkt sind, sondern Ihnen das volle kulturelle und soziale Spektrum zur Verfügung steht.

Die malaysische Staatsregierung ist aufgrund Ihrer Vision 2020, die Malaysia von einem Schwellenland zu einer voll entwickelten Volkswirtschaft bringen soll, sehr auf die industrielle Entwicklung als Wachstumsmotor bedacht. Der Begriff „industrielle Entwicklung“ steht jedoch nicht ausschließlich wie in anderen Schwellenländern für die neue Ansiedlung produktionsintensiver Fabriken und Schwerindustrie, sondern bezieht sich auf die qualitative und quantitative Entwicklung spezifischer Hightech-Wirtschaftszweige; nämlich die chemische, pharmazeutische und medizintechnische Industrie, den informations- und kommunikationstechnologischen Bereich sowie erneuerbare Energien mit den Schwerpunkten Solarenergie und Photovoltaik. Weiterhin gefördert werden außerdem bewährte Industriezweige wie der Maschinenbau, Eletrotechnik, Automobilindustrie oder die petrochemische Industrie.

Bis in die frühen 00er Jahre wurde der Entwicklungsfokus auf Kuala Lumpur und die daran angrenzenden Gebiete, sowie Penang gelegt. Die Einrichtung des „Multimedia Super Corridors“ (MSC) 1996 im Großraum der Hauptstadt schloss ein gigantisches Infrastrukturprojekt mit ein: Bau des neuen internationalen Flughafens, des Formel 1 Parcours, der Regierungsstadt Putrajaya und Cyberjaya als Standort für neunangesiedelte ICT-Unternehmen. Auch wenn die Auswirkungen der Asienkrise auf dieses Projekt heute noch sichtbar sind, so hat dies trotzdem sehr zur Entwicklung des Ballungsraumes beigetragen.

In den letzten fünf Jahren wurden in anderen Teilen des Landes ähnliche sektorbezogene Korridore eingerichtet, die teilweise ebenfalls durch massive Infrastrukturprojekte unterstützt werden.

Die „Northern Corridor Economic Region“ befindet sich im Nordwesten der Halbinsel und schließt auch Penang mit ein. Der Großraum Penang war schon in früheren Jahren eine Boomregion der Elektroindustrie und ist auch heute noch als Standort bekannt und begehrt.

Der Fokus dieser Region liegt deshalb weiterhin auf dem Ausbau der Elektroindustrie, und zwar weg von der reinen Montage hin zu hochwertigeren Aktivitäten. Die Revitalisierung des meist noch nach traditionellen Machanismen operierenden Agrarsektors ist ein anderer Schwerpunkt. Die Förderung des Tourismus vor allem in Penang und Langkawi ist ebenfalls Teil dieses Korridors.

Klick auf das Bild öffnet Übersichtskarte mit Erläuterungen (Quelle: MIDA Frankfurt)

Entlang der Ostküste Westmalaysias erstreckt sich die „East Coast Economic Region“. Darin befinden sich die eher traditionell und ländlich geprägten Bundesstaaten Kelantan, Terengganu, Pahang und der Kreis Mersing in Johor. Aufgrund von Öl- und Gasvorkommen vor der Küste befindet sich hier auch das Herz der petrochemischen Industrie. Als Indikator des Erfolgs baut BASF derzeit sein Joint-venture mit der staatlichen Petronas in Kuantan aus. Neben dem Tourismus und dem Agrarsektor spielt hier außerdem die Nahrungsmittel- und Halal- Industrie eine Rolle.

Im Ostteil Malaysias auf der Insel Borneo liegt der „Sarawak Corridor of Renewable Energy (SCORE)“ im Zentrum des gleichnamigen Bundesstaats. Die Bezeichnung ist ein wenig irreführend, denn es handelt sich hier weder um Windparks noch um Solarthermie. Es geht In diesem Korridor vielmehr darum, die lokal vorhandenen erneuerbaren (Wasserkraft) und fossilen (Öl, Gas, Kohle, Holz) Energiequellen zu nutzen, um die energieintensive Schwerindustrie zu versorgen. Die Ansiedlung von Aluminium, Glas, Stahl und Öl verarbeitenden Unternehmen wird hier vorangetrieben.

Der derzeit wachstumsstärkste Korridor ist der südliche Korridor oder „Iskandar Malaysia“ in Johor, das direkt an Singapur grenzt. Ursprünglich profitierte diese Region hauptsächlich vom extremen Landmangel in Singapur und der Auslagerung von platzhungrigen Aktivitäten (Produktion, Lager) aufs malaysische Festland. Mittlerweile profitiert Iskandar nicht mehr nur vom Spillover-Effekt, sondern hat sich hauptsächlich durch das geringe Kostenniveau und der guten Infrastruktur wegen zu einem eigenen dynamischen Raum entwickelt, in dem sich branchenübergreifend Unternehmen niederlassen.

Bis dato war Malaysia ein Musterland der Energiegewinnung aus fossilen Rohstoffen. Doch auch hier sucht man nach Methoden um den Anteil regenerativer Energieträger zu erhöhen. Ende der 90er Jahre wurde vor allem der Ausbau der Wasserkraft vorangetrieben, deren Möglichkeiten auf der malaysischen Halbinsel jedoch begrenzt sind. Die Vision eines Wasserkraftwerks mit extrem hoher Kapazität in Bakun auf Borneo sollte nicht nur die gesamte Insel mit Strom versorgen, sondern die überschüssige Energie via Unterseekabel ins Netz des Festlands einspeisen. Aufgrund der Asienkrise und weiterer Verzögerungen ist dieses Kraftwerk nur in deutlich kleinerem Ausmaß realisiert worden und spielt nur noch lokal im „SCORE“ eine Rolle als Energielieferant für die Schwerindustrie.

Als Lösung für die immer noch im Raum stehende Energiefrage wurde kürzlich der „Renewable Energy Act 2011“ verabschiedet. Bei der Entstehung des Gesetzes hat man sich unter anderem auch am deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) orientiert. Wenn man Malaysias geographische Lage und klimatische Bedingungen berücksichtigt, bedeutet dieses Gesetz vor allem einen Ausbau der Photovoltaik und der Biomasse. 2011 liegt die Leistung von Photovoltaikanlagen landesweit bei 29 MW. 2020 soll Sie bei 1250 MW liegen.


MALAYSIA: Jährliches Ziel für Erneuerbare Energien-Wachstum (in MW/Jahr)

Quelle: KeTTHA - Kementerian Tenaga, Teknologi Hijau dan Air Malaysia (Ministerium für Energie, Grüne Technologien und Wasser, Malaysia)


Ähnlich dem EEG gibt es auch in Malaysia eine befristete Abnahmegarantie für die Einspeisung von „grünem“ Strom selbst für Kleinstproduzenten und damit entsprechende Anreize für Privathaushalte und Unternehmen.

Nicht nur Malaysia ist in diesem Bereich aktiv. Auch Taiwan und Thailand implementieren derzeit ähnliche Gesetze. Die Philippinen haben bereits seit 2008 ein EEG, werden es aber überarbeiten und ausweiten. Gerade der Inselstaat kämpft mit den hohen Energiepreisen und der Ausbau soll dadurch beschleunigt werden. Damit tragen diese Maßnahmen gezielt zur Entstehung eines neuen regionalen Marktes bei. Malaysia spielt mit der Investitionsförderung für Unternehmen aus dem Solarbereich, den schon im Land ansässigen Firmen und auch der staatlichen Nachfrage nach Klein- und Kleinstlösungen für ländliche, schwer zugängliche und bisher unversorgte Gebiete eine zentrale Rolle im regionalen Ausbau.

Alle fünf Entwicklungskorridore haben neben den lokalen Zielen auch übergreifend das Ziel der Aufwertung des Humankapitals. Das derzeitige Ausbildungniveau ist differenziert zu betrachten. In den Städten Westmalaysias findet eine umfassende und im regionalen Vergleich gute Ausbildung statt. Begabte junge Malaysier haben auch die Möglichkeit, mit Hilfe von Staatsstipendien an namhaften Universitäten im Ausland zu studieren. Die ländlichen Regionen vor allem an der Ostküste und auf Borneo haben jedoch deutliche Defizite im tertiären Bildungssektor und teilweise auch in der Sekundarstufe. Die Regierung hat bereits Programme aufgelegt, um diesen Missstand zu beheben. So ist geplant, viele der beruflichen Schulen und Fachschulen in Hochschulen (als „Colleges“) umzuwandeln und damit einer breiteren Allgemeinheit eine bessere berufsspezifische Ausbildung lokal und kostengünstig zu ermöglichen.

Die Gründe für den zwingend notwendigen Ausbau des Bildungswesens liegen vor allem im wirtschaftlichen Wachstum des Landes. Die derzeitige Arbeitslosenquote von unter 4% bedeutet - volkswirtschaftlich betrachtet - Vollbeschäftigung. Dadurch sinkt die Verfügbarkeit von Fachkräften, die für eine immer länger werdende Wertschöpfungskette im Land benötigt werden. Auch die demographische Entwicklung wird vom starken Wirtschaftswachstum absorbiert und ändert nichts an der Knappheit. Ziel der Staatsregierung ist es daher, durch eine bessere Ausbildung die Zahl der Fachkräfte zu erhöhen um entsprechende offene Stellen in den Unternehmen mit Malaysiern füllen zu können. Das durch die bessere Ausbildung entstehende Defizit an ungelernten Arbeitskräften soll wie bisher vor allem durch Arbeitsmigranten befriedigt werden. Durch den erhöhten Anteil von Malaysiern in Fachpositionen wirkt sich dies wiederum positiv auf das Konsumklima und auf das BIP aus.

Malaysia zeigt sich - wie in den vergangenen Jahren - weiterhin sehr dynamisch und unbürokratisch auch wenn es tiefgreifende Veränderungen und Anpassungen in Angriff nimmt. Das Investitionsklima ist wie im gesamten von der Schuldenkrise bisher verschonten ASEAN-Raum aufgrund des stetigen starken Wachstums optimal. Vom „Renewable Energy Act 2011“ werden deutsche Unternehmen im erneuerbare Energien Sektor profitieren. Aufgrund Ihres Technologievorsprungs können Sie hier eine Vorreiterrolle einnehmen.




Kontakt: David Auras, info@mida-frankfurt.de